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Eisingen (kobinet) Mehr als 210 Teilnehmende konnten die Regierung Unterfranken,
das Forum selbstbestimmter Assistenz behinderter Menschen, ForseA und die Robert-Kümmert-Akademie
als Veranstalter verzeichnen. Unter dem Titel «Auf dem Weg zu selbstbestimmten
Lebensformen» wurde über die Möglichkeiten der Assistenz und
Unterstützung für Menschen mit schweren und schwersten Behinderungen
referiert und diskutiert. Die Schirmherrschaft hatte Ina Stein, die Behindertenbeauftragte
der Bayerischen Staatsregierung, übernommen.
In ihrer Begrüßung betonte Regierungsvizepräsidentin Heidrun
Piwernetz: «Wenn wir uns über ambulante Wohn- und Lebensformen unterhalten,
dann geht es nicht um die Diskussion, ob Heime gut oder schlecht, notwendig
oder überflüssig sind. Das fest definierte Heim gibt es ohnehin nicht
mehr. Die 'Heimlandschaft' ist so vielfältig wie nie zuvor. Wir wollen
uns heute den Lebens- und Wohnformen widmen, die jeder einzelne von uns favorisiert,
ob behindert oder nicht, das heißt 'in den eigenen vier Wänden',
mit der Entscheidungsfreiheit, wo und wie und mit wem er leben möchte.
Jeder Mensch hat das Recht auf die von ihm gewünschte Lebensform. Es gibt
keine verhältnismäßige Gleichheit vor dem Gesetz. Das Leben
im Heim muss als zusätzliches Angebot für die Menschen gelten, die
auch mit ambulanter Unterstützung nicht so leben können und wollen,
wie es andere Menschen tun. Lassen Sie mich an dieser Stelle in aller Deutlichkeit
sagen: Mit unserer Fachtagung wenden wir uns nicht an einen bestimmten Kreis
von Behinderten, etwa die weniger stark von Behinderung betroffenen Menschen,
sondern an alle Behinderten. Ich kann nur davor warnen, in diesem sensiblen
Bereich eine Auswahl zu treffen und die anderen ihrem Schicksal zu überlassen.
Das liefe auf eine Ausgrenzung hinaus, die wir mit Entschiedenheit ablehnen.»
Horst Frehe, Leiter der Koordinierungsstelle des Europäischen Jahres der
Menschen mit Behinderungen stellte eindrucksvoll die Geschichte der emanzipatorischen
Behindertenbewegung dar. In seinem Abschlussreferat am Nachmittag zeigte er
die gegenwärtige Rechtssituation mit ihren Chancen, aber auch Grenzen für
die Umsetzung ambulanter Versorgungsstrukturen auf. Er sieht Möglichkeiten,
Assistenz künftig im SGB IX besser abzusichern, das schon heute das Wunsch-
und Wahlrecht behinderter Menschen beinhaltet.
ForseA-Vorsitzende Elke Bartz zeigte an ihrem persönlichen Beispiel auf,
welche Lebensqualität und Möglichkeiten zur Selbstbestimmung die Persönliche
Assistenz beinhaltet. Sie betonte, dass auch Menschen mit sogenannten geistigen
Behinderungen außerhalb von stationären Einrichtungen leben können,
wenn sie die notwendige Unterstützung und Assistenz erhalten. Ihre Aussagen
bekräftigten in einer Podiumsdiskussion am Nachmittag Isolde Hauschild,
die ihre Assistentinnen im Rahmen des Arbeitgebermodells selbst beschäftigt,
Ihsan Özdil, der selbst behinderte ist und einen ambulanten Dienst leitet,
sowie der hoch querschnittgelähmte Victor Ebel. Ebel konnte mit Özdils
Unterstützung aus einem Altenheim in eine Wohngemeinschaft von körperbehinderten
Menschen ziehen.
Auf die Lebenssituationen von Menschen mit sogenannten geistigen Behinderungen
ging Prof.
Dr. Norbert Schwarte vom Zentrum für Planung und Evaluation Sozialer
Dienste in Siegen ein. Er zeigte die Unterschiede zwischen betreutem und unterstütztem
Wohnen auf.
Als roter Faden durch die gesamte Veranstaltung wurde deutlich: Selbstbestimmtere
Lebensformen für Menschen mit Behinderungen zu entwickeln bzw. auszubauen
und zu fördern, zählt zu dem wichtigsten und notwendigsten Aufgaben
der Arbeit und Politik für behinderte Menschen. Dies muss unter Einbeziehung
der Menschen mit Behinderungen geschehen, getreu dem Motto des EJMB: Nichts
ohne uns über uns. hjr
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