Berlin (kobinet) Seit Februar 2002 wurden Veranstaltungen durchgeführt,
Briefe geschrieben, mit PolitikerInnen verhandelt, Schulungen organisiert
und viele Telefonate geführt. Die von der Aktion Mensch geförderte
Kampagne für eine faire Assistenz brachte besonders im Bundestagswahlkampf
eine Vielzahl von Aktivitäten hervor, die eine Grundlage für
das weitere Engagement für ein Assistenzsicherungsgesetz bieten.
Am 29.11.02 ging die Kampagne mit einer Abschlussveranstaltung in
Berlin zu Ende. kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul sprach mit der
Vorsitzenden des Forum selbstbestimmter Assistenz behinderter Menschen
- ForseA e.V. - Elke Bartz und «Mutter der Kampagne»
am Rande der Veranstaltung über ihr Resümee zur Kampagne
und die weiteren Perspektiven für eine faire Assistenz:
kobinet-nachrichten: Am 29.11.02 ist die vom Forum selbstbestimmter
Assistenz behinderter Menschen - ForseA e.V. - koordinierte Kampagne
für eine faire Assistenz zu Ende gegangen. Wie sind Sie mit
dieser Kampagne zufrieden?
Elke Bartz: Insgesamt war es eine erfolgreiche Kampagne. Wir haben
selbst über zwanzig Veranstaltungen durchgeführt. Aber
auch andere Organisationen haben die Kampagne mit eigenen Veranstaltungen
unterstützt. Ein kleiner Wermutstropfen war, dass sich mehr
behinderte Menschen an ihren Wohnorten im Wahlkampf hätten
einbringen können. Aber behinderte Menschen sind nicht schlechter,
aber auch nicht besser als nichtbehinderte. Das war also ein Stück
Normalität.
kobinet-nachrichten: Welche Highlights gab es während der
Kampagne - und welche Aktivität fanden Sie dabei am wichtigsten?
Elke Bartz: Das ist schwierig zu sagen, denn ich finde jede einzelne
Aktivität wichtig. Aus den vielen «Puzzelteilen»
ergibt sich ein Gesamtbild der Notwendigkeit gesetzlicher Regelungen
für eine faire Assistenz, werden aber auch Informationen über
die Bedeutung von Assistenz den Verantwortlichen in Politik und
Verwaltung nahe gebracht. Hervorzuheben ist vielleicht die Broschüre
«Faire Assistenz», von der wir viertausend Stück
gedruckt hatten. Alle Abgeordeneten des neuen Bundestages haben
eine solche erhalten. Seither gehen täglich Antwortschereiben
von Abgeordneten jeder Couleur ein. Außerdem ist fast die
komplette 1. Auflage der Broschüre vergriffen, so dass wir
nochmal 2000 nachdrucken ließen.
kobinet-nachrichten: Wie wird es nun weitergehen, das geforderte
Assistenzsicherungsgesetz scheint ja noch in weiter Ferne?
Elke Bartz: Wir vertrauen unter anderem, dass im Europäischen
Jahr der Menschen mit Behinderungen (EJMB) besondere Sensibilität
für dieses Thema herrscht, bzw. durch zahlreiche Aktivitäten
weiter geweckt wird. Wenn ich ein, zwei Jahre zurückschaue,
hat sich schon einiges geändert. Damals war Assistenz ein Randthema,
heute ist sie in aller Munde. Wir werden jedenfalls nicht aufgeben,
sondern im Gegenteil verstärkt auf die PolitikerInnen zugehen,
uns wo immer möglich in Gremien einbringen und unberechtigte
Ängste nach unfinanzierbaren Kosten, auszuräumen versuchen.
Natürlich kostet qualitativ hochwertige Assistenz Geld. Doch
die dafür notwendigen Summen sind nicht so eklatant hoch, wie
oft befürchtet. Schließlich gibt es auch heute schon
keine Leistungen umsonst.
Noch vor wenigen Jahren erschien ein Bundesgleichstellungsgetz
in schier unerreichbarer Ferne. Nun ist es schon sieben Monate alt.
Warum sollen Visionen für ein Assistenzgesetz nicht auch in
greifbarer Zeit Realität werden?
kobinet-nachrichten: Wird sich ForseA zukünftig auch verstärkt
um die Auflösung und Umstrukturierung von Einrichtungen bemühen
oder sich hauptsächlich auf diejenigen konzentrieren, die schon
außerhalb von Einrichtungen leben?
Elke Bartz: Ich denke, wir können nicht das eine tun und dafür
das andere lassen. Großeinrichtungen sollten bald Relikte
eines vergangenen Jahrtausends sein, denen niemand bei ihrer Abschaffung
hinterherjammert. Wir brauchen verschiedenste, wohnortnahe Angebote,
die auch bei schwerstbehinderten Menschen Selbstbestimmung ermöglichen.
Auf Assistenz angewiesene behinderte Menschen müssen das Wunsch-
und Wahlrecht auf eine selbstgewählte Lebensform ohne jegliche
Einschränkungen wahrnehmen können.
kobinet-nachrichten: Ich wünsche Ihnen auf jeden Fall viel
Erfolg bei Ihren Aktivitäten. omp
kobinet-nachrichten - Ottmar Miles-Paul, ottmar.miles-paul@bifos.de
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