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  [01.11.02]

Schwarzbuch zur Deutschen Bahn


Gusti Steiner hat schon in den 70er Jahren die deutsche Behindertenpolitik durch seine Aktionen und Veröffentlichungen gehörig aufgemischt. Zur Zeit beschäftigt sich der in Dortmund wohnende Streiter für die Rechte Behinderter mit einem Schwarzbuch über die Deutsche Bahn AG.

kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul sprach mit ihm über das Werk, das voraussichtlich Anfang 2003 erscheinen wird und die Situation bei der Deutschen Bahn AG.

Dortmund (kobinet) Was Gusti Steiner anpackt hat es in der Regel in sich, denn bereits in den 70er Jahren hat er durch seine Aktionen und Veröffentlichungen die deutsche Behindertenpolitik gehörig aufgemischt. Zur Zeit beschäftigt sich der in Dortmund lebende Streiter für die Rechte Behinderter mit einem Schwarzbuch über die Deutsche Bahn AG. kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul sprach mit ihm über das Buch, das voraussichtlich Anfang 2003 rechtzeitig zum Europäischen Jahr der Menschen mit Behinderungen erscheinen wird und über die Situation bei der Deutschen Bahn AG.

kobinet-nachrichten: Gusti, du arbeitest an einem neuen Buch, worum geht es da genau?

Gusti Steiner: Ja, dabei geht es um 30 Jahre Bundesbahn oder Bahn AG und was die Bahn AG für Behinderte in dieser Republik gemacht hat, bzw. nicht gemacht hat. Sie hat nämlich nichst gemacht, sie hat immer nur einzelne Imageprojekte gepflegt und in der Öffentlichkeit sollte der Eindruck entstehen, hier tun wir was für Behinderte. Sie haben in Wirklichkeit kein Gesamtkonzept entwickelt und auch nie umgesetzt. Dieses Buch wird über diese Geschichte einen Abriss bringen, wird aber auch in 30-40 Erfahrungsberichten von behinderten Bundesbahnreisenden erzählen und diese Geschichten sind zum Teil sehr schaurig.

kobinet-nachrichten: Hat das Werk schon einen Titel und wann wird´s auf den Markt kommen.

Gusti Steiner: Eigentlich sollte das Buch zur REHACare auf den Markt kommen, doch wir konnten den Termin nicht ganz halten. Der Titel für das Buch lautet: «Schwarzbuch Deutsche Bahn AG - ein Handbuch der Ignoranz» und wird jetzt im Januar/Februar 2003 zum Europäischen Behindertenjahr erscheinen.

kobinet-nachrichten: Ihr habt ja konkrete Geschichten im Buch eingeplant, welche Geschichte ist dir am besten in Erinnerung?

Gusti Steiner: Mir sind zwei Geschichten besonders in Erinnerung. Ein Freund von mir ist nach seinem erfolgreichen Studium durch die Bundesrepublik gezogen und hat sich beworben. Als er nach Dortmund zurück kam, wo sie die Ein- bzw. Ausstiegshilfen nicht fanden musste Werner sich aus dem Waggon heben lassen. Er bekam dann von der Bundesbahn ein Entschuldigungsschreiben und zwei Gutscheine für den Speisesaal, in den er mit seinem Rollstuhl aber gar nicht rein kam. Dieser Geschichte habe ich übrigens die Überschrift gegeben: «Der Kunde ist König - aber Werner König ist kein Kunde».
Eine andere Geschichte, die jüngeren Datums und traurig ist, finde ich unglaublich. Da endete eine Zugreise eines beeinträchtigten Paares damit, dass die rollstuhlfahrende Frau verletzt auf dem Bahnsteig lag und der Freund mit deren Rollstuhl in Richtung Duisburg abdüste. Dazu muss man sagen, um der Wahrheit die Ehre zu erweisen, ihnen wurden vier Gutscheine für den Speisewagen geschenkt, in den sie auch nicht hinein kommen.
kobinet-nachrichten: Das sind Geschichten, die du schon gesammelt hast. Sammelst du noch weitere Geschichten oder ist das Buch schon abgeschlossen?

Gusti Steiner: Das Buch ist fast abgeschlossen, aber ich werde auch nach dem Erscheinen des Buches diese Stories weitersammeln, denn vielleicht muss man auch in diesem Bereich, ähnlich einer Ergänzungslieferung zu Gesetzestexten, immer wieder Beispiele nachliefern, weil ich befürchte, dass die Deutsche Bahn AG ihren alten Kurs des Nichtstuns weiterfahren wird.

kobinet-nachrichten: Das waren Geschichten aus der Vergangenheit. Wie schätzt du die Bahn der Zukunft im Zusammenhang mit dem Behindertengleichstellungsgesetz und den Zielvereinbarungen ein? Glaubst du, dass sich hier was tut?

Gusti Steiner: Ich denke, dass das Behindertengleichstellungsgesetz mit all seinen Möglichkeiten uns schon den Rücken stärkt, weil es uns eine rechtliche Basis gibt. Aber ich erwarte gleichzeitig, dass die Deutsche Bahn auch weiterhin lediglich den Eindruck erweckt, «wir tun ja was für euch, wir wollen ja die Dinge voran treiben» und du weißt es ja selbst, dass der Barrierebegriff mit dem althergebrachten Denken des «wir tun ja was für euch» nicht identisch ist. Da sind ja harte und überprüfbare Kriterien und die muss die Deutsche Bahn einführen und erfüllen, eher wird´s keine Ruhe geben.

kobinet-nachrichten: Danke für das Interview und viel Erfolg.

kobinet-nachrichten - Ottmar Miles-Paul, ottmar.miles-paul@bifos.de

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