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  [15.07.02]

Probleme haben viele mit der Assistenz


Interview mit Uwe Frevert von der ISL

Kassel (kobinet) Die Rufe nach einer fairen Assistenz werden immer lauter. Über 40 Behindertenorganisationen unterstützen bereits die Assistenzkampagne, so zum Beispiel auch die Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland - ISL e.V. kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul führte daher mit Uwe Frevert vom Vorstand der ISL e.V. folgendes Interview:

kobinet: Assistenz war ja schon immer ein zentrales Thema in der Arbeit der ISL, welches sind zur Zeit die größten Probleme?

Uwe Frevert: Probleme gibt es für viele behinderte Menschen, die wenig oder keinen Bedarf im Sinne der Grundpflege der Pflegeversicherung haben. Diese, meist körperbehinderten Personen, benötigen zur Bewältigung der Alltagsanforderungen, wie z.B. Einkaufen, Putzen, Behördengänge, Arztbesuche und Krankengymnasitk etc. etc. weitaus mehr Energie bzw. Körperkräfte als Nichtbehinderte. Die Folgen sind eine permanente Überlastung. Sie sind erschöpft und bringen als berufstätige nicht die volle Leistung weil sie häufig krank werden. Andere stehen dem Arbeitsmarkt gar nicht erst zur Verfügung.
Aber auch andere behinderte Personen, die keine Leistungen über das Bundessozialhilfegesetz beziehen können, da sie mit akademischen Graden berufstätig sind oder weil sie in Familien leben in deren Haushalt weitere Erwerbstätiige sind, leiden unter dieser permanenten Überlastung. Die Pflegeversicherung finanziert höchstens 50% ihres Bedarfes im Bereich der Grundpflege. Auch diese versuchen all zu viel selbst zu bewältigen, so dass auch diese Gruppe hoffnungslos überlastet ist.

kobinet: Die Einkommens- und Vermögensabhänigigkeit der Leistungen stellt eine der größten Probleme für die Betroffenen dar. Welche Lösungen könnte sich die ISL dabei vorstellen?

Uwe Frevert: Man sollte nicht all zu viel der vorhandenen Gesetze ändern. Vielmehr muß nur die Einkommens- und die Vermögenabhängigkeit verändert werden. Dies gilt vor allem in den Assistenzbereichen Hilfe zur Pflege und Eingleiderungshilfe des BSHG.

kobinet: Wie schätzen Sie die Chancen ein, in der nächsten Legislaturperiode eine effektive Assistenzsicherung durchzubekommen?

Uwe Frevert: Ich bin da sehr zuversichtlich, denn alle wissen, dass die Pflegeversicherung und die ergänzende Hilfe zur Pflege nach dem BSHG für alte und kranke konzipiert wurde, nicht aber für behinderte Menschen, die aktiv im Leben stehen.

kobinet: Das Arbeitgebermodell hat sich ja zwischenzeitlich besser etabliert. Wo gibt es hier noch Probleme?

Uwe Frevert: Es gibt keinen Rechtsanspruch im Rahmen der Pflegeversicherung und auch nicht im Rahmen des BSHG. Weiter werden viele von den Sozialhilfeträgern so schlecht bezahlt, dass die behinderten ArbeitgeberInnen all zu oft nicht einmal die Mindestlöhne für ungelernte Kräfte bezahlen können. Die Folge ist, dass die AssistentInnen nicht lange oder gar nicht mehr arbeiten wollen.

kobinet: Herzlichen Dank für das Interview.

kobinet-nachrichten - Ottmar Miles-Paul, omilespaul@aol.com

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